Flipper (Geschichte)

Der Flipperautomat – Pinball

Bagatelle- oder Pinball-Automat ohne Flipper, um 1930

Ein Flipperautomat ist ein Geschicklichkeits-Spielautomatohne Geldgewinnmöglichkeit, dessen Vorläufer bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen und nach dem Ersten Weltkrieg den späteren Flipperautomaten schon großteils ähnelten. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erfand Harry Maps die namensgebenden Bedienhebel, mit denen Spieler aktiv ins Spielgeschehen eingreifen können, die Flipper.

Spielweise

Ziel des Spiels an den nun Flipperautomat genannten Spielgeräten ist es seither zunächst, mindestens eine polierte Stahlkugel mit Hilfe von mindestens zwei Flippern auf einem abschüssigen Spielfeld möglichst lange im Spiel zu halten und dabei möglichst viele „Punkte“ zu erzielen, die beim Auftreffen der Kugel auf verschiedene, häufig zurückfedernde Spielelemente im Spielfeld in unterschiedlicher Höhe anfallen.

Spieler betätigen die Flipper über Knöpfe links und rechts des Gehäuses. Da zwischen den Hebeln genug Platz für die Kugel bleibt, um die Spielfläche ungehindert zu verlassen, kann außerdem versucht werden, durch vorsichtiges „Ruckeln“ des Gehäuses den Laufweg der Kugel zu beeinflussen. Jedoch besteht das Risiko, durch zu starkes „Ruckeln“ den Flipper samt Flipperhebeln kurz elektrisch abzuschalten (tilt), so dass die Kugel in jedem Fall verloren geht. Je länger eine Kugel im Spiel bleibt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, Ziele zu treffen und somit Punkte zu sammeln. Der Spielstand wird im Kopfteil gegenüber der Spielerseite angezeigt.

Ein Spiel dauert in der Regel so lange, bis die vorgegebene Kugelanzahl gespielt wurde. In Deutschland sind dies in aller Regel für jeden Spieler pro Spiel drei Kugeln. In fast ausnahmslos allen anderen Ländern weltweit waren fünf Kugeln Standard.

Geschichte des Flippers

Die Flipperautomaten entstanden aus den so genannten Bagatelle- oder Pinballspielen, die es heute noch als Kinderspielzeug zu kaufen gibt. Bei diesen Vorläufern der heutigen Flipperautomaten werden auf einem abschüssigen Spielfeld, meist von rechts unten stählerne Kugeln nach oben geschossen. Diese Kugeln treffen auf ihrem Weg nach unten auf Hindernisse oder werden in abgegrenzten Feldern aufgefangen, wofür der Spieler Punkte erhält. So bezeichnet der Ausdruck Pinball ein mit Nägeln beschlagenes Brett, worauf eine oder mehrere Kugeln ihren Weg finden. Diese Spiele gab es schon seit dem 19. Jahrhundert in Form von Münzautomaten. Erste Patente dazu wurden 1871 angemeldet.

Slingshot (The Machine)

In den 1920er und 1930er Jahren erlebten diese noch sehr kleinen Automaten, die noch keinen Kopfaufsatz hatten, einen ersten Boom. In dieser Zeit wurde der Tilt-Mechanismus entwickelt, der verhindert, dass das Gehäuse angehoben oder geschlagen wird (um das Spielgeschehen zu beeinflussen), sowie das button mashing abstraft. Es entstanden Türme und Schlagtürme (Bumper und Pop-Bumper; pilzförmige Gebilde, welche bei Kugelkontakt Punkte werten und mit Kraft zurückschlagen), Zielscheiben (Targets) und Auswurflöcher (Ejects).

Flipperhebel (Demolition Man)

 

 

 

 

1947 erfand der Gottlieb-Techniker Harry Mabs die namensgebenden Flipperhebel, mit dem die Spieler aktiv ins Spielgeschehen eingreifen können. Nun ging es hauptsächlich darum, die Kugel möglichst lang auf dem Spielfeld zu halten und dabei Punkte zu sammeln, der Abschuss der Kugel verlor an Bedeutung. Es entstanden immer wieder neue Spiel-Features, wie Spinner, Drop Targets und vieles mehr. Nachdem Ende der 1970er Jahre die Elektronik eingeführt wurde, entstanden ab etwa 1980 neue, komplexe Spielsysteme, die in den 1990er Jahren zu einem Höhepunkt gelangten. Bei diesen Spielsystemen erhielt man sehr viele Punkte, indem man die Ziele in einer bestimmten Reihenfolge traf. Die heutigen Flippertische sind meist nicht über zehn Grad geneigt (gewöhnlich 6,5°) und besitzen einen Kopfaufsatz.

Pinball Target (Demolition Man)

Der erste Flipperautomat hieß Humpty Dumpty. Die Flipper waren zunächst von außen nach innen schlagend und eher am Spielfeldrand angeordnet, die jetzt verwendete, viel beliebtere Lösung erfolgte erst einige Jahre später. Um 1950 war der Markt nach einem anfänglichen Boom mit den neuartigen Flipperautomaten gesättigt und die meisten Hersteller zogen sich vorerst. Während der 1950er Jahre teilten sich nahezu ausschließlich Gottlieb und Williams den Weltmarkt. Bally und CDI stellten nur vereinzelt neue Flipper vor.

1954 erfolgte die Einführung von mechanischen Rollenzählwerken und Geräten nicht nur für einen, sondern auch für zwei oder vier Spieler und sogar ein Sechs-Spieler-Gerät (Six Sticks von 1965) war dabei. 1958 wurden nennenswerte Anzahlen fabrikneuer Flipper nach Deutschland importiert. Die Geräte waren mit etwa 4000 DM so teuer wie etwa ein Volkswagen. Zuvor kamen meist gebrauchte Geräte nach Deutschland beziehungsweise deutsche Aufsteller kauften ausgemusterte Flipper der amerikanischen Streitkräfte auf. 1960 tauchten die ersten Geräte in einem modernen Metal-Rail-Gehäuse auf. Das Kopfteil (Lite-Box) saß nun auf einem Halsstück (Pedestal), wodurch die Geräte eine elegantere Form erhielten. 1961 erschien der letzte Flipper mit der altmodischen Punkteanzeige durch Leuchtfelder. Geräte für zwei und vier Spieler besaßen mit ganz wenigen Ausnahmen schon immer Rollenzählwerke.

1963 stiegen Bally und CDI (Chicago Coin) in den Flippermarkt ein, den sie zuvor nur sporadisch belieferten. 1964 wurde der Kugelheber schrittweise abgeschafft und die automatische Kugelvorlage eingeführt. Ab 1965 wurden immer mehr Geräte in einem modernen, zeitgemäß psychedelischen Grafikstil produziert. Ab 1969 wurden zunehmend neue Flipperhebel von drei Zoll Länge verwendet. Zu dieser Zeit galt der Flipper auch in Deutschland als fester Bestandteil der Jugendkultur. Begriffe wie ausgeflippt, Game over und Tilt wurden zu eigenständigen Ausdrücken, die sich in der Umgangssprache verankerten. 1970 wurde der Outhole-Bonus erfunden, eine Punktzahl, die während des Spiels aufgebaut wird und beim Verlassen des Spielfeldes aufgezählt wird. Der Hintergedanke dabei war, die verbreitete Unsitte, den Flipper beim Verlust der Kugel zu treten und zu schlagen, zu verhindern, weil im Falle des Tilts diese Wertungen dann verloren gingen. Der Outhole-Bonus wurde nach kurzer Zeit zum unverzichtbaren Spielelement und zu einem wichtigen Bestandteil aller Flipper.

1977 erschien der erste elektronische (Solid-State-) Flipper in Großserie. Versuche und Kleinserien derartiger Geräte gab es seit einigen Jahren. Zunächst erschienen die meisten Flipper in elektronischer und elektromechanischer Ausführung. Mitte 1978 war diese Übergangszeit beendet, lediglich Gottlieb hielt bis Ende 1979 auch an der Elektromechanik fest. Erstmals erreichte ein Flipper eine Produktionszahl über 20.000. Ab sofort wurden kaum noch Ein- und Zwei-Mann-Flipper gebaut. In Deutschland wurde der 5-DM-Einwurf eingeführt (in der Regel 14 Spiele für 5 DM). 1977, 1978 und 1979 gelten als die erfolgreichsten Jahre für die Flipperindustrie überhaupt. Alle vier großen Hersteller, angeführt von Bally, verkauften in höheren Stückzahlen denn je. Die Gerätevielfalt war enorm, einige kleine Hersteller kamen hinzu, es erschienen auch einige so genannte Cocktailtisch-Flipper. 1977 begann in Deutschland der bundesweite Trend, ausgemusterte Flipper im Eigenheim aufzustellen, in den 1980er Jahren waren bereits mehr Flipper in Privathaushalten als öffentlich zu finden.

Ab 1978 erschienen, ausgelöst durch Atari, die von 1977 bis 1979 Flipper in Großserie anboten, von allen Herstellern, auch von Williams, überbreite Wide-Body-Flipper, die mit Beginn der Krise Anfang der 1980er wieder verschwanden. 1978 erschien der erste Flipper, dessen Buntglasscheibe nicht mehr im Siebdruckverfahren, sondern im Laserdruck hergestellt wurde. Das neue Verfahren bot mehr Möglichkeit für Details, aber Farben- und Leuchtkraft der neuen Scheiben konnten mit den bisherigen nicht mithalten. 1979 war weltweit das Jahr der höchsten Flipperdichte, allein in Deutschland wurden in diesem Jahr knapp 40.000 Flipper neu gekauft, rund 200.000 waren öffentlich aufgestellt. In diesem Jahr wurden auch die ersten Geräte mit komplexen Soundsystemen, die auch Hintergrundgeräusche erzeugen, mit großem Erfolg präsentiert. Flipper waren allgegenwärtig, man fand sie in dieser Zeit zum Beispiel auch in Waschsalons, Kaufhaus-Eingängen und als Dekoration in Fernseh-Shows. Der Wertverfall gebrauchter Flipper stieg rasant an. Konnte man in den 1960er-Jahren von einer etwa achtjährigen Nutzungsdauer eines Flippers ausgehen, so galt ein Flipper nun bereits nach zwei Jahren als völlig veraltet. Die Geräte kosteten mit etwa 4000 DM allerdings auch weit weniger als in den 1960er Jahren, vor allem wenn man die inflationäre Entwicklung der Deutschen Mark in Betracht zieht.

1979 erschien mit Gorgar der Firma Williams Electronics der erste sprechende Flipperautomat. Er verfügt über ein Vokabular von sieben Wörtern. 1980 reagierte die Flipperindustrie auf die starke Konkurrenz der Videospiele, mit Double-Level-Spielfeldern und jeder Menge neuer Features, welche die Flipperfanatiker begeisterten, die Masse der Spieler auf Dauer aber abschreckte. Amerikanische Firmen hatten starke Absatzprobleme, es erschienen einige Mutationsgeräte, die versuchten, Flipper und Bildschirmspiel zu kombinieren.

Flipper Sammlung bei Retro Games

1983 befand sich die Flipperindustrie aufgrund der ungeheuren Beliebtheit der Bildschirm-Spielautomaten auf einem ersten völligen Tiefpunkt. Erschwerend hinzu kam noch der damals immens hohe Dollar-Kurs. Bally und Gottlieb ließen, ohne Erfolg, von Ende 1984 bis Mitte 1986 Flipper in Deutschland herstellen, was wenige Jahre zuvor noch völlig undenkbar gewesen wäre. 1985 erschienen erstmals alpha-numerische Displays und 1986 begann ein neuer Boom. Die Geräte nahmen die Form an die sie bis heute innehaben, mit bedeutend höheren Gehäusen, Rampen und Spielzeugen auf den Spielfeldern und teilweise zusätzlichen Aufbauten und Lampen auf dem Kopfteil. Die Elektronik passte sich dem Können des jeweiligen Spielers an und regulierte den Schwierigkeitsgrad des jeweiligen Spiels beziehungsweise regulierte die Freispielgrenzen.

1988 gingen die Verkaufszahlen wieder stark nach unten, lediglich Williams, seit einigen Jahren unangefochtener Marktführer, konnte noch gute Stückzahlen absetzen und übernahm die Bally-Flippersparte. 1991 erschien die Matrixanzeige und ersetzte die verschiedenen Zählwerke und 1992 und 1993 erlebte der Flipper nochmals einen Boom. Etwa seit dieser Zeit erschienen fast ausschließlich nur noch Geräte mit lizenzierten Themen, meist von Filmen.

1995 begann erneut eine Krisenzeit für die Flipperindustrie, aus der sie bis heute nicht mehr herausfinden konnte. Im Gegensatz zur Krisenzeit Anfang der 1980er Jahre, in der abgespeckt wurde um Kosten zu sparen, wurden nun trotz der Absatzprobleme aufwändigere und durchdachtere Flipper denn je produziert. 1999 scheiterte der Versuch von Williams, eine neue Generation von Flippern mit integriertem Bildschirm zu etablieren.

Im folgenden Jahrzehnt war Stern Pinball der einzige verbliebene Flipperhersteller mit einer bis heute andauernden Pinballproduktion. Es dauerte bis 2011, ehe Stern Konkurrenz bekam und mit Jersey Jack Pinball wieder ein weiterer, ernstzunehmender Hersteller mit eigener Entwicklung und Produktion in den Markt eintrat. (wiki)