Billard Geschichte Entwurf

Billard – Herkunft & Geschichte

Die Herren im Billardzimmer des Hotels “Thuner Hof”. Der im Hintergrund sitzende Mann trägt die Gesichtszüge vom Illustrator dieses Bildes C. W. Allers’ Vater Heinrich Christian Allers. (1889)

Antike Zeichnungen zeigen, dass ein Billard ähnliches Spiel schon bei den Ägyptern bekannt war. Vor rund 4000 Jahren beschreibt der griechischen Philosophen Anarchis ein Spiel mit Holzstock und Kugeln. Ursprünglich ein Outdoor- Spiel wanderte es wetterbedingt in Hallen. Als der Indoor-Platz immer teurer wurde und die Gruppe der Spielbegeisterten immer größer, wurden Zimmer- und schließlich Tischversionen zum Kugelstoßen entwickelt. Die heutige Spielbezeichnug “ Billard” ist seit ende des 14. Jahrhunderts dokumentiert und stammt vom Spielstock (heute Queue genannt). Ein „Billard“ war im Alt-Französischen ein kleiner Baumstamm / Holzstock, über „bille“ (Holz-/ Holzbohle), abgeleitet vom lateinischen „billia“ (Baumstamm) mit Sprachwurzeln im Gallischen.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts war das Billardspiel bereits an zahlreichen Königshäusern Europas etabliert und Bestandteil des Gesellschaftslebens. Ende des 16. Jahrhunderts brachten Spanier Billardtische auch nach Amerika. Etwa in der gleichen Zeit findet das Spiel erste Erwähnungen seitens englischer Schriftsteller. Und die erste genauere Beschreibung eines Billardspiels, sowie seiner Verbreitung findet sich in „The Compleat Gamester“ vom englischen Schriftsteller Charles Cotton aus dem Jahr 1674. Cotton beschrieb darin, dass Billard ein überaus verbreitetes Spiel in den Ballhäusern in ganz Europa sei.

Der Tisch

Erstmals ist ein Billardtisch 1470 in einer Kauf-Quittung dokumentiert, den der französische König Ludwig XI. (1423-1483) vom Kunsttischler Henri de Vigne erwarb. Das Outdoor-Spiel war auf einem rechteckigen Holztisch angekommen. Damit die Bälle nicht vom Tisch fielen, befestigte man Leisten an den Rändern. Bei diesen ersten Formen eines Ballspiels auf einem Tisch gehörten diverse Schikanen wie Tore, Bögen, Kegel und Löcher zur Ausstattung. Im 18. Jahrhundert verschwanden die Hindernisse.

1827 stellte der englische Tischler John Thurston erstmals einen Billardtisch mit einer großen Schieferplatte als Untergrund vor. Im Vordergrund standen jetzt immer mehr Geschicklichkeit und Strategie. Thurston war es auch, der eine Neuerung die Banden betreffend einführte. Wurden bis dahin diverse Materialien wie Baumwolle, Pferdehaar oder Tierfelle als Überzug der Holzleisten benutzt, stellte Thurston 1835 zum ersten Mal eine Bande mit einer Kautschuk-Innenseite vor, die die Kugeln abprallen lassen. Die Billardkugeln bestanden inzwischen fast überall aus afrikanischem Elfenbein, welches das bis dahin übliche Holz ersetzte.

Die Varianten

Etwa um 1880 waren alle heute populären Varianten in ihren Grundzügen etabliert. Spätere Weiterentwicklungen führten zu neuen Versionen oder teils neuen Untervarianten. Das Queue Anfangs wurden die Kugeln noch mit dem dicken Ende eines gebogenen Astes gestoßen. Die Entwicklung des Queues hin zu seiner heutigen Form begann gegen Ende des 17. Jahrhunderts: es wurden wegen der Zielgenauigkeit zunehmend das dünne Astende und gerade Stöcke genutzt. Man begann, nicht nur passende Äste zu suchen, sondern auch Holzstäbe zu drechseln.

Billardspiel in Frankreich am Ende des 19. Jahrhunderts

1807 kam der französische Häftling François Mingaud auf die Idee, ein Stück Leder auf die Queue-Spitze aufzubringen. Dadurch ergänzend zu den mittigen Treffern auch gezielte Effet-Stöße (Kugel-Rotation durch seitliches Anstoßen) möglich. Die Stoßgenauigkeit verbesserte sich auch durch die Nutzung spezieller Billardkreide auf der Lederspitze, die das Abrutschen des Queues auf der mittlerweile industriell und damit super runden, glatten Kugel verhinderte.

Die Kugel

Bei der Kugel , auch “Ball” genannt, geht es um perfekte Rundung und glatte, stoßfeste Oberfläche. Ursprünglich aus Holz, wurde sie durch Fernost-Handel und später Zugriff auf koloniale Rohstoffe aus Elfenbein gedrechselt. Kugelkosten, Verschleiß und Popularität des Spiels führten zu einem Massenbedarf der durch Elefanten nicht mehr gedeckt werden konnte.

Größenvergleich verschiedener Billardkugeln (von links nach rechts): Russisches Billard (68 mm), Carambolage (61,5 mm), Poolbillard (57 mm), Blackball (56 mm), Snooker (hier: 54 mm, Standard ist jedoch 52,5 mm), Miniatur-Poolbillard (51 mm)

Billard in der Neuzeit

Mit der industriellen Revolution kamen Kugeln aus Phenolharzen. Nur beim “Billard Artistique” werden heute noch heute ausschließlich Bälle aus Elfenbein verwendet. Das Billard-Spiel 1647 beschrieb der englische Schriftsteller Charles Cotton (1630-1687) in „The Compleat Gamester“ erstmals genau den Ablauf eines Billardspiels: Mit dem dicken Ende eine Astes/Holzstocks wurden Holzkugeln durch Hindernisse in Tore/Taschen gestoßen.

Um die Schwierigkeiten und damit den Spaßfaktor des Spiels zu erhöhen, wurde die Stoßfläche verringert und zunehmend die dünne Seite des Stock zum Spiel genommen. Im Vordergrund stand jetzt die pure Ballbeherrschung, die Geschicklichkeit. Um den Ball ins Ziel zu spielen, musste die Kugel nun genau mittig getroffen werden. Im 18. Jahrhundert verschwanden die Hindernisse / Schikanen des bisherigen Billard-Tisches. In Europa entwickelten sich zwei Spielformen: In Frankreich verschwanden im Sinne der Revolution alle Hindernisse u n d Taschen des Tisches. Carambolage entstand. In England blieben die Taschen und Regeln zum Lochbillard – das „ English Billiards“ wurde entwickelt.

Mit der großen Schieferplatte als Untergrund des Billard-Tisches verbesserte sich Mitte des 19. Jahrhunderts die Laufruhe und somit die Ziel-Genauigkeit der gestoßenen Bälle erheblich. Die Lauf-Bahn der Kugel wurde kalkulierbarer. Geschicklichkeit, Strategie und Stoß-Techniken erhöhten den Spiel- und zunehmend Sport- Spaß.

Pooltisch mit Zubehör

Das erste erhaltene Regelbuch stammt aus dem Jahr 1819. Die erste Billard-Schule der Welt gründete der Franzose Maurice Vignaux (1846-1916), der den Beinamen „der Unbesiegbare“ trug, im Pariser „Café Mangin“ 1884. Noch im 19. Jahrhundert wurden die ersten Billard-Meisterschaften veranstaltet. Das Interesse an diesen Turnieren war so groß, dass besonders in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien mehrere tausend Zuschauer in die Veranstaltungshallen oder Salons drängten. Die erste Profi-Weltmeisterschaft im „Carambolage“ – Freie Partie – fand 1873 in New York statt. Einige Jahre später (1878) wurde ebenfalls in New York die erste US-Pool-Meisterschaft veranstaltet. Bei Meisterschaften und Schauwettkämpfen ging es für herumreisende Profi-Teams zunehmend um viel Geld. Vor allem japanische Dreiband-Spieler waren seit dem frühen 20. Jahrhundert in den USA später auch in Europa unterwegs. Die beiden Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise 1929 sowie die Alkoholprohibition in den USA von 1919 bis 1933 stoppten die Verbreitung und Begeisterung für Billard als Wettkampf-Sport mit hohen Preisgeldern.

Snooker Tisch im Cromlix House

Nach dem Krieg ging es wieder aufwärts, aber in den 1950er und 60er Jahren blieben die Eintritt zahlende Zuschauer den Live-Wettkämpfen fern, weil sie die Spiel lieber zuhause im neuen Fernsehen verfolgten. Insbesondere in Großbritannien zeigte die BBC Snooker- Wettkämpfe, um den Zuschauern das neue Farbfernsehen schmackhaft zu machen. Die Weltmeisterschaft 1985 wurde dort ein Blockbuster: mehr als 18 Millionen Zuschauer wurden vor die Fernsehgeräte gelockt. Auch der Kinofilm “Haie der Großstadt “ führte 1961 weltweit zu einer neuen Begeisterungswelle für Poolbillard; “Die Farbe des Geldes” 1986 dann für eine weitere. Mit der Präsenz amerikanischer und britischer Militär-Garnisonen nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich in den 1970er und 80er Jahren im Standort–Umfeld Carambolage, Poolbillard und Snooker in Deutschland.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fand das als “ kapitalistisch – dekadent“ verpönte Spiel – vor allem als Poolbillard und Snooker – rasch Verbreitung in ost-europäische Vergnügungs- und Sportstätten. Mit der in den 1990er Jahren beginnenden Globalisierung, sowie der Vernetzung der Verbände gibt es im Billard-Sport inzwischen überall National-, Kontinental- und Weltverbände. Billard ist heute ein weltweit anerkannter Wettkampf-Sport, der seit 2004 olympische Disziplin anerkannt ist.